Der wilde Westen
Den Beginn des Aprils verbrachte ich in Perth. Anfangs noch in einem günstigen Hostel mit einem Zimmer ohne Fenster untergebracht entschied ich mich schnell umzuziehen. Aber das einzige Hostel in welchem noch etwas zu bekommen war, lag in Cottesloe etwas außerhalb von Perth, dafür aber direkt am Strand. Perth selbst ist eine tolle Stadt, in der ich mir durchaus vorstellen könnte länger zu leben. Mein Tagesablauf sah hier wie folgt aus:
8:00 Aufstehen und Frühstücken
9:00 Es geht zum Strand… strahlend blauer Himmel und angenehm warmes Wasser.
14:00 Auf in die Stadt… ein bisschen shoppen, Internet surfen, Eisessen, Recherche für den Rückflug
17:35 wieder zurück in Cottesloe… schnell noch eine Flasche Wein besorgt, ein paar Weintrauben und ab an den Strand den Sonnenuntergang anschauen danach die Sterne und Sternschnuppen
20:00 (gefühlt 23:00 Uhr) begann ich müde zu werden, um dann um
22:00 Uhr ins Bett zu gehen.
Dieser Tagesablauf sollte sich aber schnell ändern und zusammen mit Christiane, die ich schon aus Neuseeland kannte, ging es abends, fast täglich, zu irgendeiner Backpacker Party. Der Eintritt war immer kostenlos und manchmal gab es sogar noch Abendessen dazu.

Perth bei Nacht

Und nochmal Perth bei Nacht

Das ist der Cotesloeer Strand und im Hintergrund mein Hotel / Hostel

Christiane und ich
Für meinen finalen Trip plante ich mir ein Auto zu mieten und in Richtung Broome entlang der Westküste zu fahren. Die 10 Tage in Perth vergingen rasend schnell. Am vorletzten Tag jedoch lernte ich die beiden Estländerinnen Kairi und Ann kennen die rein zufällig auch nach Broom wollten und mir anboten Sprit und Mietkosten zu teilen. Gesagt, getan und das große Abenteuer zu dritt konnte starten…

In Australien kann man sich schnell einmal verschätzen was die Entfernungen angeht. Deshalb hier der Vergleich Europa - Australien.

Ein Überblick über meine beiden Trips an der Ost- und Westküste Australiens.

Die Eckdaten des Westküstentrips: 6250 km in 14 Tagen.
Gleich am ersten Tag besuchten wie die Pinnacles im Nambung Nationalpark. Gerade zum Sonnenuntergang sahen wir, neben den beeindruckenden Termitenbauten und den Farben auch noch einen sehr talentierten Aboriginal Tänzer ;-)

Pinnacles im Nambung Nationalpark

Pinnacles im Nambung Nationalpark

Pinnacles im Nambung Nationalpark

Kairi, Ann und ich waren auch dort :-)

Aus dem Nichts tauchte auf einmal der Schatten eines Aboriginal Tänzers auf.

Und er tanzte...

...und tanzte...

...und tanzte...

...und tanzte...

...aber bei Sonnenuntergang war er verschwunden...
Der Vorteil, den das Reisen zu dritt mit sich bringt, ist, dass wir meistens einen Raum zusammen bekamen und wir so vor Schnarchern geschützt waren. Ok, ok, es gab auch einen Nachteil…. Während ich mir ohne weiteres auch einmal vorstellen konnte nicht zu duschen, waren die beiden Mädchen ganz anderer Meinung und brauchten je eine Stunde im Bad. Was natürlich ein frühzeitiges Aufbrechen etwas behinderte.
Laut der Mietwagenbedingungen war es uns verboten, mit dem Auto in der Dämmerung sowie Nacht und auf nicht asphaltierten Straßen zu fahren. Das haben wir dann gleich missachtet und sind in den Kalbarri National Park auf Sandstraßen gefahren. Was uns dann aber auf dem Parkplatz erwartete, damit hatten wir nicht gerechnet. Da waren SIE… tausende von Fliegen, die auf der Suche nach Nahrung und einem Platz zum Eier ablegen waren. Am liebsten mochten sie die Nasenlöcher und die Augen. Wenn man aber versehentlich doch etwas zu sagen hatte, dann auch den Mund. Selbst mit meiner eng anliegenden Sonnenbrille hatte ich keinen Vorteil. Sie flogen über das Ohr, krabbelten an der Seite unter die Sonnenbrille herein, waren dann im Paradies und labten sich an meiner Tränenflüssigkeit. Dies alles brachte uns dazu diesen Nationalpark mit einem Geschwindigkeitsrekord anzuschauen.

Die Gorges im Kalbarri National Park

Die Gorges im Kalbarri National Park

Nature Window im Kalbarri National Park

Kalbarri National Park

Nature Window von der anderen Seite

Ich genieße den Ausblick mit meinen Freunden den Fliegen...

Und nicht vergessen... Hut tut gut ;-)
Die Nacht verbrachten wir in Monkey Mia. Wir waren vorher doch wirklich der Annahme gewesen, dies sei eine kleine Stadt. Aber weit gefehlt, es war nur ein Ressort, bekannt dafür das einige Delphine immer zu einer bestimmten Zeit an den Strand schwimmen und sich füttern lassen.
Dieses kommerzielle Spektakel durften wir uns zusammen mit ca. 50 anderen Touristen am nächsten Tag nicht entgehen lassen, um uns danach mit „swimming with Pelicans“ zu vergnügen und uns am Strand zu sonnen. Am späten Nachmittag brachen wir dann wieder auf.

Monkey Mia aus Vogelperspektive (Danke an Google Maps)

Diese netten Delphine kamen an den Strand

Diese netten Delphine kamen an den Strand

Sonnenbaden mit den Pelikanen

Er mochte mich nicht :-(

Kurzer Stopp und Sprung beim Shell Beach

Und jetzt nochmal ALLE

Auf dem Weg zum nächsten Ziel kreuzten wir auch den Wendekreis des Steinbocks, den ich auch schon aus Namibia kannte.

Und noch ein schöner Ort auf unserer Tour

Bruce Lee wäre stolz auf uns...
Um einmal wieder auf die Mietbedingungen des Autos zu kommen… Es war ja verboten bei Dämmerung und Nacht zu fahren. Leider ließ sich dies diesen Tag nicht vermeiden und nun wussten wir auch warum es nicht so gut ist. Überall am Straßenrand standen Tiere und so suchten 6 Augen systematisch die Straße ab.
Ein typisches Kommando war dann: Links Ziegen! Rechts Kangaroo! Links Kühe! Mitte totes Etwas!
Die beste Möglichkeit unbeschadet durch dieses Gebiet zu kommen war, sich von einer Road Train überholen zu lassen und ihn als Schutzschild zu verwenden.

Das ist aber nur eine Kleine... Ich sah welche die 6 Hänger hatten.
Endlich in unserer geplanten Durchgangsstadt angekommen fanden wir auch gleich ein Hostel, welches zu den bis dato Favoriten der negativ Liste gehörte. Möbel die dem siebziger Jahre Ostdeutschlandstil alle Ehre machten. Eine Dusche in die ich vorwärts rein und rückwärts raus musste, da Bewegungen fast unmöglich waren. Und dann waren da noch unsere Mitbewohner des Zimmers, die Kakerlaken. Bis jetzt war ich nur der kleineren Spezies (4 cm) begegnet und war nun doch über die mögliche Größe von 8 cm recht überrascht. Nach dem ich in unserem Zimmer ein wenig „Klatsch die Kakerlake“ gespielt habe, versuchten wir mit dem „sanften“ Geräusch des Klimaanlagengenerators, der sich dummerweise direkt unter unserem Fenster befand, einzuschlafen…
Bis jetzt hatten wir immer Glück mit unserem Quartier. Dies sollte sich aber in Coral Bay ändern. So verbrachten wir also unsere erste Nacht unter dem Sternenhimmel mit Wein, Mozarella, Keksen und Weintrauben, eingepackt in unsere Schlafsäcke. Um ungefähr 22:00 Uhr bekamen wir dann noch Besuch von ein paar Jugendlichen die sich ihren Weg direkt durch unser Schlafzimmer zur Party bahnten. Irgendwann gegen 23:00 Uhr bin ich eingeschlafen.
Eine der schönsten Sachen die man in Coral Bay machen kann ist das Schnorcheln. Dies taten wir dann auch und zogen am Nachmittag weiter in Richtung Exmouth.

Coral Bay aus Vogelperspektive

Das war es Coral Bay mit diesem tollen Wasser

Und wir hatten Spass

mehr Spass

...und noch mehr...

...aber so lustig war es für mich dann doch nicht.
Die nächste Strecke von 577 km nach Tom Price wollten wir an einem Tag bewältigen.
Um einmal richtig Nervenkitzel zu haben erreichten wir pünktlich zur Dämmerung die 80 km lange Schotterstrasse durch das Outback nach Tom Price. Also wieder das gleiche Spiel: Alle hielten Ausschau nach Tieren… Nach dem wir die Dämmerung damit gut überstanden hatten, wurde es Nacht. Das war aber keine Nacht wie wir sie in Europa kennen, diese war richtig schwarz und dunkel. Nur die Sterne und der Kegel meines Scheinwerferlichtes war noch zu sehen. Auf einmal standen dort mitten auf der Straße 12 Kühe. Ich scherzte noch „Na zum Glück keine Bullen“, aber in diesem Augenblick berichtigten mich meine beiden Begleiterinnen schon. Ein Bulle war direkt in den Kegel des Scheinwerferlichtes gelaufen und bewegte sich auf uns zu. Unter aufkommender Panik der Beiden, zugegeben ich hatte auch ein wenig Herzklopfen, schaltete ich in den Rückwärtsgang, das Licht aus und fuhr. Das nächste Problem war: ich konnte nichts mehr sehen. Also wieder das Licht an und siehe da, der Bulle dachte wohl das wir nachgegeben haben und bewegte sich auf die andere Straßenseite zu. Nach weiteren 10 Minuten warten, war die Straße soweit frei das wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Langsam wurde uns allen immer mulmiger im Bauch. Was wäre wenn wir hier unser Auto kaputt geht oder wir einen Unfall haben? Getrieben durch das Adrenalin was jetzt zu Hauf ausgeschüttet wurde, fuhren wir jetzt noch vorsichtiger.
Nach weiteren 40 km, wir mussten schon kurz vor dem Ziel sein, tauchte auf einmal etwas dunkles auf der Straße auf. Langsam rollten wir heran. Es war ein riesiges Wasserloch, welches direkt auf der Straße lag und zu groß war um mit dem Auto (kein 4x4) hindurch zu fahren. Da ich diese Situation schon aus Namibia kannte, war das jetzt Männerarbeit und ich stieg aus und fand auch einen Weg an der Seite vorbei. Nur lagen dort noch viele große Steine, die ich alle im Scheinwerferlicht wegräumte. Beim letzten Stein allerdings lief eine handgroße schwarze Spinne unter oder neben dem Stein hervor, was mir fast einen Herzinfarkt einbrachte. Nun rannte ich schnellstmöglich mit meinen Flip Flops und kurzer Hose wieder zurück ins Auto und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.
Es war mittlerweile 21 Uhr als wir Tom Price erreichten. Leider war es wieder mal nicht möglich eine Unterkunft zu finden.
Dank der Negativerfahrung mit der Spinne erntschieden wir uns diesmal, schwarz auf einem Campingplatz im Auto zu schlafen.
Was mit zwei Leuten in einem großen Auto in Neuseeland noch komfortabel war, war mit 3 Leuten in einem Kleinwagen ziemlich unmöglich.
4 gute Gründe warum man mit 3 Leuten nicht im Auto schlafen sollte:
- die Wärmeentwicklung: bei 3 Leuten ,wo es draußen sowieso schon 20 Grad sind, ist extrem
- die Mücken: nach dem öffnen des Fensters fühlten sich die Mücken von uns doch sehr angezogen und versüßten uns den Schlaf mit ihrem summen und stechen
- der Platz: die Sitze hatten weniger Freiraum und Neigung als im Flugzeug da auf der Rückbank auch noch jemand schlief.
- die Geräusche, da bei wenig Platz jeder Versuch so komfortabel wie möglich zu liegen ein Geräusch erzeugt (rascheln, quietschen, grunzen)
Nach rund 3 Stunden Rumgedöse und dem steigenden Unmut über die oben genannten Gründe, entschied ich mich das Auto zu verlassen und mit meinem Schlafsack nach draußen umzuziehen.
Die Mücken haben sich darüber natürlich auch sehr gefreut, war ihr Opfer doch jetzt direkt erreichbar…
Also zog ich alle Schnüre an meinem Schlafsack so fest zusammen, dass nur noch ein kleines Luftloch zum Atmen blieb. Dass es sehr warm in dem Schlafsack war brauche ich wohl keinem erzählen aber wenigsten konnte ich meine Beine ausstrecken. Das klappte soweit auch ganz gut und bis auf den kleinen Wanderweg, von ein paar Ameisen, der natürlich direkt durch meinen Schlafsack führte, konnte ich gut schlafen.

Eine Wanderung im Karijini Nationalpark

Eine Wanderung im Karijini Nationalpark

Dieses Ninjakostüm half im Kampf gegen den Terror... die Fliegen

Einer der "kleinen" Termitenbauten die einfach so am Straßenrand standen.
Die nächste Nacht verbrachten wir in Port Hedland. Eine der dreckigsten und ungemütlichsten Städte die ich je gesehen hab. Laut Lonly Planet sollte es dort 2 Backpacker und mehrere Hotels geben. Gab es aber nicht… Durch einen Taifun wurden bis auf ein Hotel alle anderen zerstört und die Backpacker hatten mangels Kundschaft schon vorher geschlossen, wie uns ein Einheimischer mitteilte. Die einzige Möglichkeit zu schlafen, war in dem Caravan Park etwas außerhalb. Unser Quartier war ein kleiner 2 Bett Wohnwagen, den wir aber mit den Sitzkissen der Sitzgruppe zu einem 3 Bett Wohnwagen umfunktionieren konnten.
Die letzte Nacht vor unserer Ankunft in Broome, verbrachte ich mit einer Flasche Wein alleine am Strand unter einem sagenhaften Sternenhimmel mit vereinzelten Sternschnuppen. Da wir immer noch kein Zelt besaßen und auch keine Kabine zur Verfügung stand, war für diese Nacht wieder draußen schlafen angesagt. Als ich aber von meinen Sternenbeobachtungen zurückkam, hatten meine beiden Begleiterinnen schon das Auto okkupiert. Und ich durfte die Nacht mal wieder auf dem Grasboden, mit meinen Freunden den Ameisen, verbringen.

Der Weg zum 80 Milen Beach... natürlich nicht asphaltiert ;-)

Es machte richtig Spass immer mehr verschiedene Muscheln zu finden...
In Broome angekommen, sollte sich aber das gleiche Schauspiel wiederholen: Alle Hostels waren ausgebucht. Bei unserer Nachfrage in der Touristen Information, fiel der lieben Frau ein, dass das Mangrove Hotel einige Räume für Backpacker zur Verfügung stellt. Wie es der Zufall wollte war auch noch drei Plätze frei. In diesem fünf Sterne Hotel verbrachte ich zwei richtig schöne Tage, mit Ausflügen zu unseren zwei Pools, einem Tanz mit Aboriginals in einer lokalen Disko, klettern an der Steilküste und dem unter den Top 5 Stränden in der Welt gelisteten Cable Beach.

Broome von oben

In dem Mangrove Hotel haben wir gewohnt (roter Punkt)

Der Cable Beach. Und ja ihr lest richtig 31 Grad Wassertemperatur

Der Sonnenuntergang kommt näher

und los gehts...

schön...

Die Drei von der Tankstelle...

Dort haben wir lecker gegessen und Wein getrunken, bis mir eingefallen ist, dass ich noch fahren muss...

Das ist einer von den beiden Pools im Mangrove Hotel.
Nach meiner Abreise aus Broome, ging es für mich alleine wieder zurück nach Perth. Die 2500 km lange Strecke hatte keine Sehenswürdigkeiten und so fuhr ich am ersten Tag 1000 km am zweiten 800 km und am dritten 700 km. Meine Nächte verbrachte ich im Auto, immer in der Nähe eines Caravan Parks, in den ich mich zum Duschen schlich. Wieder in Perth angekommen, hatte ich noch einen Tag zeit um Souvenirs zu shoppen um mich dann über Singapore auf den Rückflug zu begeben. Good Bye Australia!!! I’ll come back!!!







































































































































